Vom Bilderrätsel zum Trickfilm – die digitale Fotokamera (Dezember 2006)
KiTa-Fortbildung - gefördert vom MGFFI.
Im Dezember 2006 fand eine Fortbildungsreihe für KiTas in OWL statt. Teilgenommen haben die Einrichtungen
- AWO KiTa Lage, Lage
- KiTa Weltweit, Bielefeld
- AWO KiTa Herberhausen, Detmold
Eine ausführliche Beschreibung mit allen Infos finden Sie
unten.
Die angefügten Ergebnisse wurden von den Kindern selbst erstellt.
Klicken Sie einfach auf die Bilder/Beiträge, um die vollständigen Produkte
zu sehen.
Animiertes GIF

Bilderreihe: “Alles, was … ist” (PowerPoint)
Fotoreihe/Ratespiele (PowerPoint)
Fotoreihe: Meine Tierwelt (PowerPoint)
Fotoreihe: Was gesund ist (PowerPoint)
Vom Bilderrätsel zum Trickfilm – die digitale Fotokamera
Kreative Medienarbeit in der Kindertagesstätte (Fortbildungsbericht)
von: Sabine Eder, Christiane Orywal, Maren Risch
Eine digitale Fotokamera gibt es inzwischen in vielen Kindertageseinrichtungen, warum diese nicht auch mit den Kindern nutzen? Während des Projekttags, der mit Kindern in drei Kindertageseinrichtungen in NRW durchgeführt wurde, konnten 75 Jungen und Mädchen medienpraktisch aktiv sein. Alle drei Kindertagesstätten haben einen hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund (60-95%) und zwei von Ihnen befinden sich in einem Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf. Entsprechend setzten sich die Gruppen aus Kindern mit vornehmlichem Förderbedarf zusammen. Mit dem Projekttagen verfolgten wir vor allen Dingen das Ziel, den Kinder Medien als Ausdrucksmittel zur Verfügung zu stellen. Dabei geht es um uns um ein Angebot zur Förderung der Medienkompetenz. Die bestehenden Benachteiligungen – so vielschichtig sie sind, – lassen wir dabei nicht außer Acht, wir sehen diese aber eben nicht aus einer Defizitperspektive heraus, sondern setzen an den vorhandenen Kompetenzen der jeweiligen Kinder an.
Beim Projekttag „Vom Bilderrätsel bis zum Trickfilm“ gingen die Kinder mit der Fotokamera auf Fotosafari. Sie knipsten Bilderrätsel, fotografierten Portraits, speicherten die Fotos im Computer und erstellten einfache Powerpoint-Fotoalben oder verfremdeten ihre Fotos. In einer weiteren Aktion konnten sie aus Fotoreihen einen kurzen Trickfilm erstellen. Gemeinsam mit Erzieherinnen aus den Einrichtungen führten Medienpädagoginnen der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) die beiden Projekttage durch. Das Projekt wurde vom Ministerium für Generationen, Frauen, Familie und Integration Nordrhein-Westfalen (MGFFI NRW) gefördert.
- Übersicht über den Projekttag
- Vorabsprachen mit dem Erzieherinnen-Team
- Begrüßung und Einstieg
Medieninseln
- Ich weiß es! – Wir knipsen Fotorätsel!
- Bitte lächeln! – Porträts aufnehmen & am Computer experimentieren
- Alles was gesund ist! – Thematische Bildreihen fotografieren!
- Das geht ohne Klebstoff! – Ein Fotoalbum am PC entsteht.
- Das digitale Daumenkino – Erstellen von animierten Gifs aus Fotoreihen
- Präsentation (Eltern, Geschwisterkinder)
- Auswertung und Reflexion im Team
(eine ausführlichere Beschreibung finden Sie im Internet unter www.kita-nrw.de)
Reflexion des Medienprojekttages
Die Medienprojekttage waren für alle ein großer Gewinn und sind erfolgreich verlaufen, und das nicht zuletzt, weil das Team motiviert und engagiert vorbereitet und mitgearbeitet hat. Die Erzieherinnen waren überrascht, wie konzentriert und lange die Kinder mitgearbeitet haben. „Ich hätte nicht gedacht, dass die das durchhalten und so konzentriert an einer Sache bleiben können!“ Sie waren aber auch sehr angetan von der handlungsorientierten Vorgehensweise der Medienpädagoginnen. „Ihr habt denen aber auch was zugetraut. Ich dachte zwischendurch, was tut sie da (die Medienpädagogin), sagt den Kindern, öffnet schon mal die Datei…, das können die doch gar nicht. Aber siehe da, die haben das gemacht, die konnten das. Ich war wirklich erstaunt!“
Fest steht, die Kinder konnten neue ästhetische Erfahrungen machen, sie erhielten Reaktionen auf Ihre erstellten Produktionen (von Eltern, Erzieher/innen, anderen Kindern usw.) und spürten so dass sie etwas bewirken (Selbstwirksamkeit). Für die Kinder spielt es in der Regel keine Rolle, welche Sprache das andere Kind spricht, sie verständigen sich miteinander. Durch die Medienarbeit wird der Zusammenhalt in der Gruppe intensiviert, da die Kinder an einem Gemeinschaftsprodukt arbeiten.
Ob die medienpädagogische Arbeit in den Einrichtungen durch einen solchen Medienprojekttag intensiviert werden kann, hängt mitunter auch vom Personalschlüssel ab und von der technischen Ausstattung. Beides sind Schwachstellen im Alltag vieler Kindertageseinrichtungen. Was den Erzieherinnen aber deutlich wurde ist, dass sie pädagogische Themen mit und durch Medien aufgreifen und bearbeiten können. Und sie erkannten, dass gerade auch die Kinder motiviert werden können mitzuarbeiten, denen es sonst schwer gelingt, sich zu integrieren oder zu beteiligen.
Weiterhin wird man durch ein solches Angebot besonders den Kindern gerecht, denen ein offener Zugang zu neuen Medien und das kreative Arbeiten damit sonst eher verschlossen bleiben. Denn alle Kinder, auch diese aus benachteiligten Kontexten, wachsen heute selbstverständlich mit einem riesigen, sich stetig vergrößernden Medienangebot auf. Kindheit ist heute auch Medienkindheit. Dem Kindergarten als Bildungseinrichtung kommt in diesem Zusammenhang auch die Aufgabe zu, die Medienkompetenz der Kinder zu fördern, so sehen es auch die Bildungs- und Erziehungspläne der Länder vor. „Medien, einschließlich der elektronischen Medien, sollen situationsbezogen entsprechend der Alltagserfahrungen der Kinder einbezogen werden“ (Bildungsvereinbarung NRM. Fundament stärken und erfolgreich starten. Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes NRW 10/2003, S. 14). Es heißt in einem anderen Bildungsplan: „Das Kind lernt, die Medien und Techniken gesellschaftlicher Kommunikation zu begreifen und zu handhaben, sie kritisch, in sozialer und ethischer Verantwortung zu reflektieren, sie selbst bestimmt und kreativ zu gestalten und sie als Mittel kommunikativen Handelns zu nutzen“ (Hessischer Bildungs- und Erziehungsplan 2005, S. 74).
Den pädagogischen Fachkräften wurden durch das Angebot Ideen und Möglichkeiten gegeben, die Medienkompetenz der Kinder vielfältig zu fördern.
Denn mit Medien umgehen zu können, ihre Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren zu erkennen, ist eine wichtige Schlüsselqualifikation in der heutigen Informationsgesellschaft und gehört zu einer umfassenden Persönlichkeitsentwicklung. Stefan Aufenanger, Professor für Medienpädagogik in Mainz betont: „Nur wenn wir Medienerziehung als eine Aufgabe verstehen, die schon mit kleinen Kindern durchgeführt werden kann, bereiten wir sie auf eine Zukunft vor, die in allen Lebensbereichen durch Medien geprägt sein wird!“
Der Wunsch vieler Eltern war es, die Arbeit mit den Kindern zu intensivieren und fortzusetzen und auch die Erzieher/innen wünschen sich künftig Unterstützung bei der Durchführung medienpädagogischer Projekte.
Arbeit „auf“ den Medieninseln
„Ich habe auch schon mal mit so ner Kamera geknpist!“, ruft Vivian, während wir uns auf dem Bauteppich zusammensetzen. „Das ist natürlich sehr praktisch, wenn ihr Euch schon so gut auskennt, aber wenn nicht, dann ist das auch kein Problem!“, antwortet die Medienpädagogin! Die Kinder sind schon ganz gespannt, sie wissen, dass sie heute fotografieren können. Die digitale Kamera wird herumgegeben und nachdem die Grundfunktionen erklärt sind, werden die Angebote und der Ablauf des Tages vorgestellt.
Am Vormittag und am Nachmittag stehen jeweils 15 Kindern die Angebote auf folgenden drei Medien-Inseln (jeweils mit ein oder zwei digitale Kameras und einem Notebook und Stativ) zur Verfügung:
- Medieninsel 1: Erstellen von Bilderrätseln u. Bildreihen (wenn Zeit: Fotoalbum erstellen)
- Medieninsel 2: Erstellen von Portraits und Weiterbearbeitung am Computer
- Medieninsel 3: Erstellen eines digitalen Daumenkinos (Trickfilmchens) aus Fotoreihen
Die Inseln werden jeweils von den Erzieherinnen und den Medienpädagoginnen betreut. Alle Kinder können turnusmäßig an jeder Insel aktiv werden und entscheiden, welchen thematischen Schwerpunkt sie wählen wollen.
Die Einheiten sind methodisch so aufgebaut, dass jeweils nach einer Stunde und einer kurzen Pause von einer zur nächsten Insel gewechselt werden kann. Für die gemeinsamen Pausen oder auch für individuelle Pausen der Kinder steht eine Zwischenebene bzw. ein großer Tisch zur Verfügung. Dort kann frei gespielt und gemalt werden.
Die Kinder teilen sich ohne Probleme in drei Gruppen auf! Es werden erste Schnappschüsse gemacht und die Kinder verstehen schon, wie das Bilderrätsel funktioniert und was mit dem komischen Wort „Bildreihe“ wohl gemeint sein kann. Jetzt sind aber wirklich alle so gespannt, dass es endlich losgeht.
Auf der Medien-Insel „Fotorätsel und Bildreihen“ gehen die Kinder auf ihre erste Motivsuche: Zunächst sollen Fotorätsel fotografiert werden. Dazu nehmen die Kinder jeweils zwei Fotos eines Gegenstandes auf und zwar einmal den Gegenstand als Ganzes (eine Flasche) und einmal im Makromodus ein Detail (der Flaschenhals von oben), so dass nicht leicht zu erkennen ist, um welchen Gegenstand es sich handelt. Die Kleingruppe erkundet mit der Kamera den Kindergarten. Jedes Kind kann mehrere Rätselpaare fotografieren. Schließlich werden die Fotos in den Computer geladen, die Motive werden am Computerbildschirm begutachtet und in dieser kleinen Werkschau besprochen. Es gibt die Möglichkeit, ein nicht so gut gelungenes Bild noch einmal zu fotografieren, so dass alle zufrieden sind und alle Bilder in eine Reihenfolge zu bringen.
Wenn noch Zeit und Elan vorhanden sind, kann eine zweite Aufgabe: erledigt werden: Fotografieren von „Bildreihen“. Zunächst überlegen wir, was denn das Wort Bildreihe bedeutet, schnell wird den Kindern klar, was sich hinter dem Begriff verbirgt – nämlich eine Reihe von Bildern, die eine Gemeinsamkeit haben. Die Kinder denken sich ein Thema aus und entschließen sich für folgende Bildreihen: „Alles, was blau ist!“, „Alles was sich bewegt“, „Alles was gesund ist“ und eine weiter Gruppe knipst „.Alles, was größer ist, als wir selbst“ Wieder schwirrt die Kleingruppe durch das Haus und begibt sich auf aufmerksame Fotopirsch. Das Einfügen der Fotos in das Fotoalbum des Powerpoint-Programms wird von einer Erwachsenen übernommen. Die Gruppe schaut dabei über die Schulter und kann gemeinsam besprechen, welches Bild wann erscheinen soll. Die fertige Präsentation wird schon einmal angeschaut und für die Abschlussrunde gespeichert.
Auf der Medien-Insel „Portraits und Weiterbearbeitung am PC“ geht es anders zu, denn hier werden Fotos vom eigenen Gesicht gemacht! Zunächst machen die Kinder in der Gruppe gegenseitig Portraitfotos. Zum sicheren Stand der Kamera wird ein Stativ benutzt und alle Beteiligten können auf dem LCD-Display überprüfen, ob die Person auch wirklich „vom Scheitel bis zur Schulter“ zu erkennen ist. Dann heißt es „ Cheese “ und es wird geknipst.
Jetzt wird die Speicherkarte aus der Kamera geholt und die Bilder „wandern“ durch das Kartenlesegerät und das Kabel in die beiden Laptops. Sind sie dort gespeichert, kann am Computer weiter gearbeitet werden.
Mit der kostengünstigen und inzwischen leider nur noch über das Antiquariat oder Flohmärkte erhältliche Bildbearbeitungssoftware Kais Super GOO können die Kinder ihre Fotografien verfremden. Da können kleine Veränderungen wie ein witziges Grinsen vorgenommen werden oder es kann so sehr verfremdet werden, dass die Goo-Künstler/innen kaum mehr zu erkennen sind. Die einfache Handhabung der Werkzeuge ermöglicht den Kindern ein freies Experimentieren. Lediglich beim Speichern der Werke benötigen sie Unterstützung. Denn allen ist wichtig, dass nichts verloren geht und die gespeicherten Bilder am Ende auch wieder gefunden werden. Die gesammelten Werke werden ebenfalls in einer Powerpoint-Präsentation zusammengestellt.
Auf der „Daumenkino-Medien-Insel“ lernen die selbst fotografierten Fotos „laufen“. Dafür müssen auch Fotoreihen aufgenommen werden, doch zwischen den einzelnen Fotos dürfen nur minimale Veränderungen vorliegen, eben wie bei einem Daumenkino. Zur Erläuterung wird den Kindern ein Daumenkino gezeigt und eine kleine Vorübung geknipst. So verstehen sie, was zu tun ist. Nun werden Playmobilfiguren und allerhand anderes Spielzeug wie auf einer Theaterbühne drapiert. Ist die Szenerie aufgebaut, werden die Figuren „millimeterweise verschoben“ und abfotografiert. Die fertigen Fotos werden dann in den Computer geladen und mit einem speziellen Programm zu einem animierten GIF zusammengestellt. Die Kinder sind begeistert und zeigen viel Geduld, denn sie müssen zum Teil 50-90 Aufnahmen machen, damit die Animation, also das Filmchen, gut aussieht und nicht ruckelt! Schließlich können die Kinder mit der Daumenkino-Druckmaschine ihre Daumenkinos ausdrucken, die einzelnen Blätter am Schneidemesser zuschneiden, zu einem Block zusammenheften und mit nach Hause nehmen.
Die Gruppenergebnisse werden zum Abschluss in einer großen Runde präsentiert.
Gemeinsam mit ein paar Kindern wird der Beamer aufgebaut und
an den Computer angeschlossen. Manche Eltern sind schon da
und staunen nicht schlecht über die Sicherheit der Kinder,
mit der sie die Kabel anschließen. In zwei der Kitas wurden
die Eltern gezielt zur Präsentation eingeladen und erscheinen
zahlreich.
Dann geht es los mit der Präsentation und bei den Bilder-Rätsel
wird lauthals mit geraten. Die Kinder ernten viel Applaus
und erklären den interessierten Eltern, wie sie gearbeitet
haben.
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